Gereimtes Theaterstück

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GEREIMTES THEATERSTÜCK

 

Ich wurde von jemandem kontaktiert, dessen Abteilungsleiter Christian demnächst eine wesentlich jüngere Frau namens Anni heiraten würde, die aus einer, wie man so sagt, Arbeiterfamilie stammt. Der Auftraggeber bat mich um ein kurzes Theaterstück einer fingierten Hochzeit, wo ich das berühmte Thema „Arbeiterin angelt sich reichen, gut betuchten, reiferen Herrn“ thematisieren sollte. Das Stück wollte er in einem Büro aufführen. Hier ist das Ergebnis:

Der Schauplatz ist im Büro. Aufgebaut ist ein Altar, ein paar Sessel stehen für die Hochzeitsgäste bereit. Der Durchgang zum Nebenraum symbolisiert das Tor zur Hölle. Bräutigam Christian weiß von nichts und wird vor den Altar zum Pfarrer geführt, Bruder Bernhard (der Auftraggeber) steht daneben. Die Gäste sitzen auf den Sesseln.

PFARRER:

Du brauchst mir gar nicht zu verkünden
Deine vielen, schweren Sünden
Die Du scheinbar unbefangen
Vor der Eheschließung hast begangen

Versuche nicht zu täuschen mich
Gott weiß alles über Dich
Und die Frau, so kann ich Dir beschwören
Steht weiter hinten und wird alles hören

(Der Bräutigam soll nun glauben, dass seine zukünftige Frau tatsächlich anwesend ist und das Gesprochene mitbekommt)

Du hast alle Freundinnen belogen
Und mit andern Frauen betrogen
Eine Frau war vor Dir sicher kaum
Die bis 3 nicht war am Baum

Du warst, so hat es sich gezeigt
Keinem Seitensprung je abgeneigt
Verhieltest Dich charmant und nett
Wolltest mit Frauen nur ins Bett

Jetzt schließt Du gleich den Bund für´s Leben
Doch vorher musst Du das Versprechen geben
Dich unverzüglich zu bekehren
Der Fleischeslust Dich zu verwehren
Und ebenso der nackten Haut
Bruder Bernhard, hol´ die Braut

BRUDER BERNHARD:

Was immer Ihr mir mögt aufbürden
Sehr zu Befehl, Hochwürden
Ich eile, sie zu holen
Wie Ihr soeben habt befohlen

(Bruder Bernhard holt die Braut, bei der es sich um einen als Frau verkleideten Kollegen handelt, und führt sie zum Bräutigam. Bruder Bernhard stellt sich daneben hin.
Da springt der Teufel aus der Hölle)

TEUFEL:

Es tut mir immer wieder weh
Eine Hochzeit, ganz nach dem Klischee:
Es war einmal die junge Hacklerin
Die zog´s zum reifen Manne hin

Der natürlich war nicht irgendwer
Im Beruf ein Chef, millionenschwer
Und ihr bieten kann, so wie ich glaub
Sündteuren Schmuck und Luxusurlaub

Würde sie ihn auch noch lieben
Wenn auch er ein Hackler wär´ geblieben?
Wie so viele auf der Welt
Kein Abteilungsleiter und nur wenig Geld

(Der Teufel spricht den Bräutigam direkt an)

TEUFEL:

Ich hätte wirklich gern gewusst
Warum Du heiraten gleich musst?
Nach langer Zeit als Junggeselle
Tritt die Ehe nun an diese Stelle
Bist Du mit fast 50 Jahren
Dir nicht bewusst den vielen Gefahren?

(Bruder Bernhard greift ein)

BRUDER BERNHARD:

Halt! Was muss ich hören?
Die Hochzeit hast Du nicht zu stören
Verschwinde Satan, weiche
Da hinten in das Eck Dich schleiche

(Der Teufel geht in die Ecke)

PFARRER:

Nun denn, ihr lieben Gäste
Wir sind zusammen heut´ an diesem Feste
Weil die beiden, die sich innig lieben

TEUFEL (aus der Ecke):

Heut´ noch eine geile Nummer schieben

(Der Teufel kommt aus der Ecke, beginnt diabolisch zu lachen und wendet sich an den Bräutigam)

TEUFEL:

Ist die Ehe unter Dach und Fach
Fängt nicht selten an der Krach
Hast Du vor der Hochzeitsnacht
Einen Ehevertrag gemacht?

Sonst kann in sämtlichen Belangen
Sie alles dann von Dir verlangen
Und die Schlinge um den Hals wird enger
Du hängst wie ein Insekt am Fliegenfänger

Warum tust Du plötzlich streben
Nach geregeltem Familienleben?
Eine junge Frau hat Eitelkeit
Und möchte finanzielle Sicherheit

In den meisten Fällen sie sucht
Einen Älteren, der gut betucht
Und sie schafft´s auf lange Sicht
Dass der reife Mann sie ehelicht

(Bruder Bernhard greift ein zweites Mal ein)

BRUDER BERNHARD:

Satan, ich gebiete Dir
Wende rasch Dich ab von hier
Du verdammter Höllenrecke
Zurück mit Dir in Deine Ecke

(Der Teufel geht in die Ecke)

PFARRER:

Wo waren wir doch stehen geblieben?
Ach ja, die beiden, die sich lieben
Mögen machen sich bereit
Zum Bündnis für die Ewigkeit

(Der Teufel wendet sich an den Bräutigam und spricht, während er wieder näher kommt)

TEUFEL:

Ich mit Warnungen nicht spare
Die Frau ist jünger viele Jahre
In der Blüte ihrer Sexualität
Ist es für Dich schon längst zu spät
Ob bei diesem Altersunterschied
In fünfzehn Jahren noch arbeitet das Glied?

(Bruder Bernhard greift ein drittes Mal ein)

BRUDER BERNHARD:

Satan, Du perverses Schwein
Was mischt Du ständig Dich hier ein?
Hinfort mit Dir, zur Seite
Geh weg und such´ das Weite

(Der Teufel geht in die Ecke)

PFARRER:

Ihr beide, die ihr liebt euch innig
Es wäre Recht und auch sehr sinnig
Wenn ihr zwei euch beim Verkehren
Im Namen Gottes tut vermehren

(Der Teufel verlässt wieder seine Ecke und spricht zum Bräutigam)

TEUFEL:

Lass mich sagen Dir geschwind
Wenn dann kommt auch noch ein Kind
Christian, das wird dann bitter
Du wirst nur noch sein der Babysitter

Du wirst Dir geben selbst den Knüppel
Als ausgebrannter Ehekrüppel
Die Frau wird pflegen fortzugehen
Und Du mit Kind daheim rumstehen
Du wirst nicht rühren Dich vom Fleck
Und sie fährt mit Deinem Porsche weg

Dein Geld solltest Du aufbewahren
Und fleißig für die Alimente sparen
Kannst Du den Unterhalt nicht zahlen
Dann beginnen erst die echten Qualen

Es wäre schrecklich über alle Maßen
Wenn Du landen würdest auf der Straßen
Ich sage Dir, das sind mitnichten
Nur ein paar schaurige Geschichten

(Bruder Bernhard greift ein viertes Mal ein)

BRUDER BERNHARD:

Ich sag´ Dir was, oh Satan
Du hörst Dich langsam fad an
Vorwärts, Marsch, zurück
In die Ecke Stück für Stück

(Der Teufel geht in die Ecke)

PFARRER (wendet sich an den Bräutigam):

So frage ich Dich, Christian
Nimmst Du diese Ehe an?
Um zu lieben und zu leiden
Bis dass der Tod euch möge scheiden?

(Wie auch immer Christian reagiert, der Pfarrer wendet sich der Braut zu)

PFARRER:

Nun ist die liebe Anni dran
Nimmst Du Christian zum Ehemann?
In guter, wie in schlechter Zeit
Bis dass der Tod euch einst entzweit?

BRAUT:

Natürlich werd´ ich sicherlich
Das schwöre ich ganz feierlich
Ihn lieben und auch ehren
Mich möglichst schnell mit ihm vermehren

PFARRER:

Somit ich diese Ringe
An euer beider Finger bringe

(Der Pfarrer zieht ihnen Kondome über die Finger)

PFARRER:

Nun seid mit Gott und der Dreifaltigkeit
Verbunden ihr für alle Ewigkeit
Jetzt unterschreibt zu dieser Stunde
Beide noch die Urkunde

(Der Teufel kommt aus der Ecke zu Christian)

TEUFEL:

Die unterschriebene Heiratsurkunde
Reißt dem Mann die größte Wunde
Noch immer der Alarm nicht läutet
Weißt Du nicht, was das bedeutet?

Das wilde Leben kannst Du schmeißen
Dir an jeder Ecke Eine aufzureißen
So mancher Mann Dich wohl bewundert
Mit Deinen Frauen weit über hundert

Vorbei ist nun das große Pflücken
Du darfst nur noch die Ehefrau beglücken
Bald bist Du abhängig, wie schade
Von Deiner Angetrauten ihrer Gnade

Reißen tiefer wir die Wunde
Was wird aus Deiner Männerrunde?
Die bald vergeblich auf Dich warten
Am ersten Donnerstag im Volksgarten
Und vergessen kannst Du sowieso
Vorzuglühen im Wein und Co

Und nochmals ich Dich frag:
Hast Du gemacht den Ehevertrag?
Wenn nicht, so bleibt Dir nach der Scheidung
Bestenfalls noch Deine Kleidung

Es liegt ja bei den Frauen im Trend
Dass sie nehmen euch das letzte Hemd
Nichts wird Dir ansonsten bleiben
Den Porsche kannst Du abschreiben

Und bevor es ist zu spät
Kehr um, solange es noch geht
Für Dich ich eine Zukunft sehe
Aber nur bei einer wilden Ehe

(Bruder Bernhard drängt den Teufel in die Hölle zurück, während er spricht)

BRUDER BERNHARD:

Ich glaub, es hilft kein klagen
Ich werde Dich von hier verjagen
Du mieses, kleines Ungeheuer
Ab mit Dir ins Fegefeuer

(Der Teufel bleibt in der Hölle)

PFARRER (dreht sich zu den Hochzeitsgästen):

Dieser Teufel ist vermessen
Nun hätte beinah ich vergessen
Spricht gegen die Ehe gar ein Grund?
So macht auf jetzt euren Mund
Wer Gründe weiß, soll sie nun zeigen
Ansonsten doch für immer schweigen

ZWISCHENRUFER 1:

Ja, es spricht etwas dagegen
Sie wird treu nicht sein, von wegen

TEUFEL (aus der Hölle):

Hab ich das nicht längst gesagt?
Nur der Teufel wird ja nicht gefragt

ZWISCHENRUFER 1:

Ich hatte Gruppensex mit Hanni
Und die andere, das war die Anni

ZWISCHENRUFER 2:

Auf der letzten Weihnachtsfeier
Hat sie mir gekrault die Eier

ZWISCHENRUFER 3:

Ich hab ein Bild ihr aufgehängt
Dann hat sie mich ins Bett gedrängt
Und mich unsittlich berührt
Mir ihren Finger eingeführt
Nach zwei Sekunden spürt man schon
Die Prostata – Stimulation

(Der Pfarrer schaut entsetzt und wendet sich dann der Braut zu)

PFARRER:

Was tut Ihr da verkünden?
Hast Du begangen diese Sünden?

BRAUT:

Hochwürden, es ist wahr
Viele Männer waren´s pro Jahr
Doch meinem Mann, dem bin ich treu
Ich meine Sünden stark bereu´

PFARRER:

Dann, mein Kind, seien Dir vergeben
Die Sünden für Dein weitres Leben
So erklär´ ich euch zu Mann und Frau

TEUFEL (aus der Hölle)

Und ich ärgere mich grün und blau
Die Ehe wird nicht lang bestehen
Und Christian nach mir bald flehen

PFARRER:

Wie ist der Teufel doch verlogen
Die Eheschließung ist vollzogen
Die Feier wir beenden müssen
Zum Abschluss dürft ihr euch jetzt küssen

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