Ein Besuch des Tierfriedhofs

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EIN BESUCH DES TIERFRIEDHOFS

 

Eine kleine Geschichte von einem Menschen, der sein verstorbenes Haustier am Tierfriedhof besucht

Gestorben ist mein liebes Tier
Im elften Monat des Kalender
Drum bin ich heute hier
Am trüben Tage des November

Ich stehe vor dem Friedhofstor
Aus einem guten Grund
Bewege langsam mich nach vor
Zum Grab meines verstorbnen Hund

Wie ein nasses, trübes Tuch
Hängt Nebel in der feuchten Luft
In die Nase dringt mir Herbstgeruch
Ich atme ein den kühlen Duft

Ein paar Krähen ziehen ihre Kreise
An diesem ruhigen Ort
Es ist unendlich leise
Kein Mensch, der spricht ein Wort

Es knirscht bei jedem meiner Tritte
Der weiße Kies unter den Schuhen
Gemächlich setze ich die Schritte
Dorthin, wo die Tiere ruhen

Ich durchschreite die Allee
Aus beinah kahlen Bäumen
Benji´s Tod tut mir sehr weh
So fang ich an zu träumen

Einst brauchte mich der Hund ganz dringend
Als Retter für sein junges Leben
Auch ich brauchte ihn zwingend
Das Schicksal hat ihn mir gegeben

Vor dreizehn Jahren ich ihn fand
Ausgesetzt und angebunden
Mir war, als wären wir seelenverwandt
Wir hatten endlich uns gefunden

Er sah mich an mit großen Augen
Als wollt´ er sagen: „Nimm mich mit!“
Seine Gefühle schien ich aufzusaugen
Ich spürte körperlich, wie sehr er litt

So habe ich ihn mitgenommen
Und für keinen Groschen Geld
Das Allerwertvollste bekommen
Den besten Hund der Welt

Mit ihm als treuen Begleiter
Konnte das Leben anders sein
Ich war glücklich, ich war heiter
Nicht mehr einsam und allein

Während ich an früher denke
Hör´ von oben ich die Krähen
Den Blick ich Richtung Himmel schwenke
Kann ein Naturschauspiel dort sehen

Mit großer Ehrfurcht ich beäuge
Wie der Wind das letzte Laub wegfegt
So wie des Todes stummer Zeuge
Die Blätter auf den Boden trägt

Der Abschied fiel mir gar so schwer
Dass ich kaum dran denken mag
Erst eine Woche ist er her
Mein furchtbar schwerer Schicksalsschlag

Des Hundes Körper töten
Zu befreien seine Seele
Zwingend war es schon vonnöten
Damit die Krankheit ihn nicht quäle

Der Tierarzt ihm die Nadel setzte
Tränen habe ich vergossen
Es war die Spritze seine Letzte
Bevor die Augen sich für immer schlossen

Nun ist der Weg schon nicht mehr weit
Bevor ich steh vor meinem Ziel
Einem Sinnbild der Unendlichkeit
Dem Grabstein, der mir so gefiel

Ganz nahe trete ich heran
Auf dem Grab ist Benji´s Bild
Dankbar sieht der Hund mich an
Sein Blick ist treu und mild

Es ist ein Schriftzug eingraviert
Nicht wahrer könnt´ er sein
Das schöne Grab er stetig ziert
Gemeißelt in den weißen Stein:

„Dass mir der Hund das Liebste war
Sagst du, oh Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu
Der Mensch nicht mal im Winde“

Meinem Hund habe ich mitgebracht
Einen Strauß aus bunten Nelken
Tausch´ in der Vase sie ganz sacht
Gegen die, die schon verwelken

Dann öffne ich die Grablaterne
Entzünde eine neue Kerze
Höre die Krähen in der Ferne
Verliere mich in meinem Schmerze

Der Hund mir schier unglaublich fehlt
In meinem Herz ich ihn verwahre
Er war das Einzige, was zählt
Für dreizehn lange Jahre

Die Erinnerung vorüber zieht
So nah und fern er mir jetzt ist
Ob vom Himmel er mich sieht
Und mich auch so sehr vermisst?

Oh ja, ich glaube fest daran
Wenn ich von der Welt muss gehen
Klopf´ am Himmelstor ich an
Wo wir uns dann wiedersehen

Ein letztes Kreuzzeichen ich schlage
In einem stillen Gedenken
Einen Vers ich noch aufsage
Den ich meinem Hund will schenken:

Ich verlasse Dich in Dankbarkeit
Besuch´ Dich wieder morgen
Du bist mein Hund bis in die Ewigkeit
Lieber Benji, mach Dir keine Sorgen

Ich schreite langsam zur Allee
Regen fällt, beinah es scheint
Während ich zum Ausgang geh´
Dass der Himmel um die Tiere weint

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