Der Mann am Fenster

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DER MANN AM FENSTER

 

Entsetzliches Schicksal eines Mannes

Prachtvoll scheint der volle Mond
Auf das Fenster, das weit offen
Leuchtend er dort oben thront
Schaut auf den Mann, der schwer betroffen

Der Ruf von Wölfen und von Eulen
Durchbricht gelegentlich die Stille
Zu belauschen dieses späte Heulen
Ist jede Nacht des Mannes Wille

Der Gesang erklingt im nahen Wald
Fast wie des Todes Melodie
Es ist nebelig und grausam kalt
Welch makabre Therapie

Der Mann steht da, ist kaum geschützt
Die Kälte scheint er nicht zu spüren
Aufs Fensterbrett die Hand gestützt
Tut er nicht vom Fleck sich rühren

Ein Adventkranz steht in seinem Zimmer
Intensiv duften die Tannenzweige
Zu Weihnachten ist es noch schlimmer
Wenn die Tage gehen zur Neige

Er greift zum Tisch zu seiner Rechten
Nimmt das Whiskeyglas in seine Hand
Gesteuert wie von fremden Mächten
Sein Ritual des Nachts am Land

Bedrohlich wirkt die Stimmung
Die der Mann beinah genießt
Düster ist seine Gesinnung
Welche das Leben ihm verdrießt

Harmlos scheint die Atmosphäre
Für den Mann von vierzig Jahren
Verglichen mit der inneren Leere
Seit dem Schrecken, der ihm widerfahren

Nichts ist ihm heut´ mehr geblieben
Frau und Kinder umgebracht
Die Ermordung seiner Lieben
Geschah einst in der Weihnachtsnacht

Ein Terrorakt, fanatisch, fies
Im Magen wird dem Manne flau
Er wäre gern im Paradies
Mit den Kindern und der Ehefrau

Es war ein Selbstmordattentäter
Von allen Medien laut verkündet:
Frau und Kinder ein paar Meter
Daneben, als die Bombe zündet

Furchtbar für den Mann zu wissen
Wie man das Leben ihnen nahm
In Stücke wurden sie gerissen
Im Namen des Islam

Sein Hals sich jede Nacht verengt
Die Gedanken kann er nicht mehr lenken
Die Familie in die Luft gesprengt
Stetig muss er daran denken

Kaum noch ist er in der Lage
Das alte Landhaus zu verlassen
Sein Leben nur mehr eine Plage
Die Erinnerung will nicht verblassen

Gemächlich zieht er an der Zigarette
Sie lindert nicht der Seele Wunden
Er hört die Glocken von der Weihnachtsmette
Steht am Fenster schon seit Stunden

Irgendwann dreht er sich langsam um
Gepeinigt von Gedankenqual
Er schließt das Fenster still und stumm
Und beendet heut´ sein Ritual

Von vorn wird er beginnen morgen
Am Fenster stehen, wie erstarrt
Dasselbe Leid, die gleichen Sorgen
Mit denen stundenlang er dort verharrt

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