Der Alptraum eines Introvertierten

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DER ALPTRAUM EINES INTROVERTIERTEN

 

Introvertierte, in sich gekehrte Leute mögen weder Smalltalk noch Menschenmassen. Ich erhielt den Auftrag, Alltagsszenen eines Betroffenen zu erfinden und in der Ich – Form zu schreiben. Folgendes fiel mir dazu ein:

Ich kam in große Menschenmassen
Welch ein Unglück, kaum zu fassen
Dieses schreckliche Gedränge
Innerhalb der Menschenmenge

Da half kein Jammern und kein Fluchen
Ich konnte nur das Weite suchen
Und meine Flucht nahm erst ein Ende
Inmitten der eigenen vier Wände

Doch statt Erholung pur
Erwartete mich Unheil nur
Und alsbald vernahm ich schon
Vom Handy einen Klingelton

Als ich auf das Display schaute
Ich meinen Augen kaum noch traute
Und dachte mir „Oh nein
Das kann jetzt nur ein Alptraum sein!“

Fast hätte ich nicht abgehoben,
Das Gespräch für lange Zeit verschoben
Es war jemand, den ich kannte
Ich sah den Namen meiner Tante

Doch freundlich, wie ich bin
Zog den Daumen ich zum Handy hin
Es kostete mich Überwindung
Zu aktivieren die Verbindung

Schließlich drückte ich den grünen Knopf
Und es schoss mir durch den Kopf
Dass sie würde wollen nur tratschen
Und mich mit Smalltalk gleich bequatschen

So erfuhr ich, das war logisch
Ihren gesamten Alltag chronologisch
Bis sich dieser Monolog
Furchtbar in die Länge zog

Bald dachte ich, ich werd´ verrückt
Den Hörer an mein Ohr gedrückt
Lag ich im Bett, ich gähnte
Und nach Erholungsschlaf mich sehnte

Irgendwann wurde ich wach
Und dachte mir dann: „Ach
Wie lange liege ich schon hier?“
Mein Telefon lag neben mir

Mir war, als würde jemand reden
Und da mein Handy lag daneben
Nahm ich es, und ich erkannte
Da sprach noch immer meine Tante

Sie merkte nicht, dass ich war eingeschlafen
Und ich dachte: „Möge Gott sie strafen!“
So tat die Dinge ich beim Namen nennen
Ich sagte: „Bitte lass mich pennen!“

Dann legte ich ihr einfach auf
Doch nahm das Schicksal seinen Lauf
Denn als ich wieder schlief
War der Schlaf nicht wirklich tief

Können mich die Menschenmassen
Nicht mal im Traum in Ruhe lassen?
Sogar von Smalltalk träumte ich
Von meiner Tante, die nicht von mir wich

Gestern war halt so ein Tag,
Wie ich ihn überhaupt nicht mag
Er raubte meine ganze Kraft
Ich kann nur sagen: Alptraumhaft!

2 Comments

  • fred hovorka sagt:

    Lieber Alex, du sprichst mir mit Deinen Gedichten aus der Seele. Dieses hat es mir besonders angetan. Es wäre eine Schande gewesen, wenn Du uns Deine literarischen Ergüsse vorenthalten hättest. Ich werde Dich weiterempfehlen und Deine Dienste früher oder später wohl in Anspruch nehmen. Ich wünsche Dir auch viel Erfolg für Deine Reimtheateraufführungen, die ich sehr gerne als Zuschauer erleben würde. Fred

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